Ortsgeschichte Norken – ein kurzer historischer Überblick

  1987 feierte die Gemeinde in großem Rahmen ihr Jubiläum „725 Jahre Norken“. Anlass dazu war die erste urkundliche Erwähnung des Ortes in einem Zinsregister des Klosters Marienstatt im Jahre 1262. Nun ist aber die erste urkundliche Erwähnung fast nie gleichzusetzen mit der Gründung einer Siedlung. Auch Norken ist wesentlich älter. Genau zu bestimmen ist dies allerdings nicht. Gewisse Anhaltspunkte liefert die Ortsnamensforschung. Von daher lassen sich die ursprünglichen Namen Noringhausen/Nordeck (= Norken), Nieder- und Oberbredehuissenn (= Nieder- und Oberbretthausen, 1813 in Norken aufgegangen) sowie Parckhuissenn (= Parkhausen, Wüstung zwischen Norken und Kirburg) und Snabelsberg (= Schnabelsberg, Wüstung zwischen Norken und Unnau-Korb) in das 7. und 8. Jahrhundert datieren. Von alters her ist der Ort dem Kirchspiel Kirburg zugehörig. Nach Auflösung der fränkischen Gaugrafschaften zwischen 1000 und 1200 gewannen geistliche und weltliche Herren an Bedeutung. Im Kirchspiel Kirburg hatte zunächst die Abtei Marienstatt Einfluss. Eine Landesherrschaft ist anfangs schwerlich genau zu festzulegen; doch darf man annehmen, dass das Erzbistum Trier hier bestimmend war.

Im 14. Jahrhundert erwarben dann die Grafen von Sayn landesherrliche Rechte. 1495 leistete man im Kirchspiel Kirburg den Treueeid auf die Grafen von Sayn als Landesherr. Dabei blieb es bis 1799, auch wenn es zu Teilungen im Grafenhaus kam (1652 Sayn-Altenkirchen, 1671 Sayn-Hachenburg). Nach dem Aussterben der Sayner Grafen trat Nassau-Weilburg die Nachfolge an und ab 1806 gehörte Norken als Teil des Amtes Hachenburg zum Herzogtum Nassau. 1866 verleibte sich Preußen das Herzogtum ein.  Aus den Ämtern wurden nun Kreise und Norken gehörte dem Oberwesterwaldkreis an.  1871 ging Preußen im Deutschen Reich auf, dass bis 1945 Bestand hatte. In dieser Zeit erlebte der Ort das Kaiserreich (bis 1914), die Weimarer Republik (bis 1933) und die nationalsozialistische Gewaltherrschaft (bis 1945); verbunden mit zwei verheerenden Kriegen (1914-1918 und 1939-1945), Inflation, Massenarbeitslosigkeit und den grausamen Verbrechen der Nazis. In den beiden Weltkriegen ließen elf beziehsweise 28 junge Männer des Dorfes ihr Leben. Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass man in Norken der Hitlerbewegung größtenteils nahe stand. 1933 stimmten 205 Wähler (von 274)  für die NSDAP.

Am 27. März befreiten die Panzer der US-Armee das Dorf von der Gewaltherrschaft. Es folgte die Zeit der französischen Besatzungszone und dann die Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Das föderale Gebilde schuf die Bundesländer und Norken gehörte nunmehr zum Land Rheinland-Pfalz und hier zum Regierungsbezirk Montabaur. Schon bald waren die Notzeiten der Nachkriegsepoche überwunden und das aufkommende Wirtschaftswunder der fünfziger und sechziger Jahre bescherte den Bewohner von Norken erstmals wirklichen Wohlstand. Anders als in der Weimarer Republik verfestigte sich nun die Demokratie und so lebt das Dorf nun schon Jahrzehnte in Frieden, Freiheit und Wohlstand. Entsprechend positiv verlief auch die örtliche Entwicklung, was auch an Einwohnerzahlen ablesbar ist. Von 169 Einwohnern im Jahr 1760, über 354 Bewohner in 1860 zählte der Ort 1985 schon 911 Bewohner und hat aktuell die Tausendergrenze erreicht.     

Schulisch bildet Norken mit seiner UNESCO-Projektschule eine absolute Besonderheit im Westerwald. Als eine der ganz wenigen Orte im Westerwald hat man das Sterben der kleinen Dorfschulen („Zwergschulen“) überstanden. Die schulische Tradition reicht zurück bis Mitte des 18. Jahrhunderts, als die Loslösung von der Kirchspielschule in Kirburg erfolgte und die Gemeinde ein erstes Schulhaus erbaute, das aber einem Brand zum Opfer fiel. 1820 wurde ein neues Schulhaus bezogen. Als dies den Ansprüchen nicht mehr genügte, erbaute man 1899 das jetzige Schulgebäude. Relativ jung hingegen ist die örtliche mehrgruppige Kindertagesstätte „Nauberg-Räuber“.     

In kirchlicher Hinsicht ist Norken von alters her eng mit der Kirche in Kirburg verbunden und für die evangelischen Christen ist dies bis heute die zuständige Kirchengemeinde. Die katholischen Christen sind der Pfarrei Mörlen angeschlossen. Daneben besteht im Dorf eine evangelisch-freikirchliche Gemeinschaft. Obwohl der Ort also nie eigenständiger Pfarrbezirk war, kann Norken auf drei Gotteshäuser verweisen. 1580 wird erstmals eine Kapelle im heutigen Ortsteil Bretthausen erwähnt. Eine Kapelle in Norken wird 1896 geweiht. Eine Kirche erhält der Ort dann erst 1962. Diese St. Johannes-Kirche, für die die Kapelle nach nur 65 Jahren weichen  musste, gehört zur Pfarrei Mörlen. Erst ab 1933 bestattete die Gemeinde ihre Verstorbenen auf dem eigenen Friedhof.  

Sehr ausgeprägt ist das örtliche Vereinsleben. 1922 bildete sich ein erster Sportverein beim dem der Fußball im Mittelpunkt stand. Bis heute ist der Fußball eine Säule des SSV Norken (aktuell in einer SG mit Mörlen und Nauroth). Seit 1950 wird sehr erfolgreich Tischtennis gespielt und die Damen treiben Gymnastik. Neben dem Sportplatz steht eine Sporthalle zur Verfügung. Ältester Verein ist allerdings der MGV „Liederkranz“, der am 1.7.1910 gegründet wurde und auch heute noch aktiv ist. In einer Sangesgemeinschaft KIMONO (Kirburg, Mörlen, Norken) ist der Gemischte Chor aufgegangen. Innerhalb der freikirchlichen Gemeinschaft bestand ein Posaunenchor, der erstmals 1912/13 in Erscheinung trat. Neueren Datum sind die „Singenden Dorffrauen“. Auch eine Musikkapelle hatte früher Bestand. Doch die hat wie ein Zither-Club, ein Raucher-Club oder ein Kriegerverein die Zeiten nicht überstanden. Im Rahmen der Vereine soll auch die Freiwillige Feuerwehr Erwähnung finden. Schon 1875 wurde ein erstes Spritzenhaus im Ort errichtet. Der Schippel-Club richtet alljährlich an Ostern das weithin bekannte Eier-Schippeln aus und krönt den Schippelkönig. So bunt wie das Vereinsleben ist auch die örtliche Festfolge mit Kirmes, Schlachtfest, Feuerwehrfest, Fußballturnieren, und , und.  

Bis nach 1945 war Norken sehr landwirtschaftlich geprägt. Fast in jedem Haus wurde Vieh gehalten. Die völlige Abhängigkeit von den landwirtschaftlichen Erträgen führte bei Missernten zu Notlagen, die einige Familien zur Auswanderung nach Amerika und Rußland bewogen. Frühe Industrie ist durch die Braunkohlegrube „Späth“ belegt, deren Anfänge bis 1822 zurückreichen und die nochmals nach 1890 bis um 1920 in Betrieb war. Neben dem üblichen örtlichen Handwerk bestand schon vor 1945 eine Matrazenfabrik. Doch von bedeuteneder industrieller Ansiedlung kann man erst nach der Erschließung der Gewerbegebiete „Auf der Heide“ und „Weidboden“ sprechen. Mehrere hundert Arbeitsplätze sind hier entstanden. Bis heute von Bedeutung für die Gemeinde ist die Haubergswirtschaft. Eine Haubergsgenossenschaft verwaltet diese spezielle Niederwaldwirtschaft. Der Hauberg Norken gehört heute zum überwiegden Großteil dem Land Rheinland-Pflaz und der Ortsgemeinde. .Heilwasser aus dem „Guten Born“ bescherten der Gemeinde Bretthausen in der 2. Hälfte des 18,Jahrhunderts Einkünfte aus Heilwasser, das bis nach Holland geliefert wurde.  

Die Ortsgeschichte verzeichnet mehrere verheerende Brände. Erstmals brannte es 1717; wo sieben Wohnhäuser vernichtet wurden. 1810 zerstörte ein Großfeuer den Ort fast völlig (28 Häusswr, 30 Scheunen). Weitere Brände waren 1825 und 1869 zu verzeichnen. Eine früher bedeutende Handelsroute, die „Köln-Leipziger-Straße“ führte bis 1878 durch den Ortsteil Bretthausen. Norken – ein Westerwalddorf wie hunderte andere auch, aber trotzdem einzigartig und individuell. Womit dem weithin bekannten Ausspruch „All kei Norke net“ eine gewisse Rechtfertigung bescheinigt wird.